Langes Warten auf ASC-Ware Donnerstag, 16.02.2012 Trotz rückläufiger Zahlen positives Fazit der Fish International – Diskussion um Zukunft der Aquakultur-Zertizierungen auf LZ-Forum
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LZnet/ton. Trotz eines Besucher- und Ausstellerrückgangs waren die Messeteilnehmer der Fish International mit der Qualität der Gespräche zufrieden. Meist und heiß diskutiert wurden Zertifizierungen in der Aquakultur – auch beim LZ-Forum.
Zur Fish International besuchten an den drei Messetagen vom 12. bis 14. Februar nur noch knapp 8200 Fachteilnehmer die rund 260 Aussteller. Zwei Jahre zuvor waren es bei etwa 300 Ausstellern noch rund 9300 Besucher.
Dennoch waren die meisten Anwesenden mit dem Niveau der 13. Ausgabe der Fachmessse zufrieden. "Die Rückmeldung der Aussteller war wieder sehr positiv", bilanzierte Hans Peter Schneider, Geschäftsführer der Messe Bremen.
Das bestätigte auch Martin Mischel, Geschäftsführer der Gottfried Friedrichs KG: "Der Besuch war sehr gut und wir hatten viele intensive Gespräche." Ähnlich äußerte sich Geschäftsführer Ralf Forner von der Transgourmet Seafood GmbH. "Es waren viele Entscheider des LEH da, wir hatten gute Gespräche", so der Chef der Rewe-Foodservice-Tocher.
Schwerpunkt Aquakulturen
Der Schwerpunkt der Fish International lag in diesem Jahr auf Aquakulturen, was sich auch auf dem LZ-Forum widerspiegelte. Unter dem Motto "Zertifizierungen in der Aquakultur" diskutierten die Referenten mit den knapp 180 Teilnehmern die Zukunft der Nachhaltigkeitssiegel.
Im Mittelpunkt stand erwartungsgemäß Chris Ninnes, CEO des Aquaculture Stewardship Councils (ASC). Ninnes musste Produzenten, Industrie und Handel, die hierzulande gleichermaßen die ASC-Zertifizierung herbeisehnen, die erneute Verzögerung des ASC-Starts erklären. Im Vorfeld der Messe hatten markenrechtliche Schwierigkeiten in Verbindung mit dem ASC-Logo verhindert, dass auf der Fish International bereits die ersten zertifizierten Produkte präsentiert werden konnten.
Kritik von Bioverbänden an dem geringeren Anforderungskatalog zum Erreichen einer ASC-Zertifizierung wies Ninnes zurück: "Wir haben einen sehr realistischen und erreichbaren Ansatz und versuchen mit dem Markt eine Veränderung herbeizuführen." Die ASC-Zertifizierung wolle kein Nischensiegel sein, sondern habe globale beste Praktiken zum Vorbild.
Handel verlangt ASC-Zertifizierung
Unterstützung bekam Ninnes von den Referenten aus dem Handel. "Ein zu 100Prozent nachhaltiges Label kann es gerade bei Aquakultur zu Beginn nicht geben. Deshalb macht es insbesondere im Massenmarkt Sinn, erst einmal Mindeststandards zu definieren und diese dann weiter zu verbessern", sagte Rewe-Nachhaltigkeitsreferent Dr. Tjark Goerges. Rewe wolle bei Aquakultur ein zusätzliches Basislabel etablieren.
Ebenso betonte Mario Slunitschek, bei der Metro Group verantwortlich für Fresh/Chilled Food, die Rückendeckung für das globale ASC-Siegel: "Am liebsten hätten wir neben dem MSC-Siegel bei Wildfisch nur noch das ASC-Siegel für Zuchtfisch." Es seien ohnehin schon viel zu viele Labels am Markt und die Fischbranche habe dadurch Glaubwürdigkeit verspielt. Metro wolle die Kommunikationskette für Verbraucher so einfach wie möglich halten.
Manfred Krautter, Leiter der Beratungsfirma EcoAid, sieht ebenfalls eine dringende Notwendigkeit für die ASC-Zertifizierung, betonte jedoch: "Auch bei Labels kann Konkurrenz nicht schaden." Man könne andere Systeme auch in Betracht ziehen, etwa das vornehmlich in Südeuropa erfolgreiche Programm Friend of the Sea.
Hingegen fehlt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg bei den ASC-Kriterien die Transparenz. Sie kritisiert den ASC-Umgang mit genverändertem Futtermaterial (GMO): "Ein GMO-Einsatz muss auf der Verpackung deklariert werden."
Start spätestens im April
Mit Spannung wird nun der vielfach verspätete ASC-Start von der Branche erwartet. Chris Ninnes gibt sich zuversichtlich, dass bereits im Laufe "weniger Wochen" die ersten Akkreditierungen für Tilapia abgeschlossen sein werden.
Der ASC-Chef rechnet damit, dass in den Kategorien Lachs, Forellen, Shrimps, Pangasius und Tilapia "bis Ende 2012" zertifizierte Ware auch im deutschen Handel zu finden sein wird.
Möglicherweise, befürchten Branchenkenner, werde jedoch erst Ende April, zum Start der weltgrößten Fischmesse European Seafood Exposition in Brüssel, die erste Ware auf dem Markt sein.