Bio wächst zweistellig Mittwoch, 08.02.2012 Bio wächst im LEH laut Nielsen deutlich schneller als konventionelle Ware, wobei die Preise allerdings deutlich langsamer steigen. Die Umsätze klettern 2011 um knapp 10 Prozent. Handelsmarken können nach zwischenzeitlichem Vertrauensverlust wieder zulegen.
Bildstrecke: 4 Fotos »
LZnet. Bioprodukte* haben im Jahr 2011 – nach leichten Verlusten in 2010 – wieder zu "alter" Wachstumsstärke zurückgefunden. Das zeigt eine Erhebung des Marktforschungsunternehmens Nielsen. Demnach stieg der Umsatz in Lebensmittelhandel und Drogeriemärkten zwischen Januar und Dezember 2011 um 9,9 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro. Damit übertraf das Wachstum die Entwickung bei konventionellen Produkten (+ 3,6 Prozent) um Längen.
Der Umsatzanteil von Bioprodukten am Food-Umsatz in den von Nielsen betrachteten Warenklassen* stieg damit auf 3,19 Prozent. Auch auf Mengenbasis legte Bio erfreulich zu (+7,9 Prozent), während konventionelle Lebensmittel nur knapp das Vorjahresniveau hielten (- 0,2 Prozent).
Die positive Umsatzentwicklung bei Bioprodukten ist damit – im Unterschied zur konventionellen Ware – kaum durch Preiserhöhungen getrieben. Quer durch das Sortiment verzeichneten zahlreiche Warengruppen zweistellige Zuwächse; dabei legten auch Segmente mit bereits hohem Bio-Umsatzanteil wie etwa die Weiße Linie weiter dynamisch zu.
Ökologisch erzeugte Lebensmittel genießen bei den Verbrauchern offenbar ein immer größeres Vertrauen. Ein Indiz dafür ist zweifellos auch, dass die positive Entwicklung im Jahresverlauf unbeeindruckt vom
EHEC-Skandal blieb – obwohl kontaminierte Sprossen von einem Bio-Hof letztlich als Verursacher der gefährlichen Infektionen identifiziert wurden.
Discounter bekamen EHEC-Krise zu spüren
Von dem starken Wachstum profitierten Hersteller- wie auch Handelsmarken. Derzeit stehen beide in ihrer wertmäßigen Marktbedeutung etwa in einem Verhältnis 60:40. Dabei wuchsen Handelsmarken allerdings mit durchweg zweistelligen Zuwächsen im Jahresverlauf 2011 deutlich schneller als die Herstellermarken. Lediglich zur Hochzeit der EHEC-Krise im zweiten Quartal schwächte sich ihr Wachstum zugunsten der Herstellermarken ab.
Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung im Discount wider: Nach einem sehr guten Start litten die Discounter mit dem Ausbruch der EHEC-Krise unter einem Vertrauensverlust und verlangsamten ihr Wachstum vorübergehend drastisch. Dennoch legten sie im Bio-Sortiment im Gesamtjahr immer noch mehr als dreimal so schnell zu wie bei konventionellen Produkten. Und sicherten sich bereits ein gutes Viertel des gesamten Bio-Umsatzkuchens. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Discounter nach dem für sie schwachen Bio-Jahr 2010 aufzuholen hatten.
Stärkstes Wachstum in kleinen Verbrauchermärkten
Schließlich waren es aber – übers Jahr 2011 betrachtet – die kleinen Verbrauchermärkte, die sich mit einer Wachstumsrate von 15 Prozent vor den Discountern (11,4 Prozent) an die Spitze setzten. Bei den großen Verbrauchermärkten blieb das Bio-Wachstum leicht unterdurchschnittlich (9,2 Prozent). Auch Drogeriemärkte (7,7 Prozent) und Supermärkte (6,7 Prozent) konnten die Gesamtmarktentwicklung auch in vollem Umfang mittragen.
Bio-Produkte wurden in 2011 deutlich häufiger gekauft. Sie werden damit immer mehr zur Speerspitze im Verdrängungswettbewerb der Vertriebsschienen. Und bieten noch reichlich Potenzial für weiteres Wachstum. Dabei muss es Handel und Herstellern über verlässliche Information und Kommunikation gelingen, das Vertrauen der Konsumenten in Bio-Qualität weiter zu stärken.
Notwendiger Vertrauensaufbau
Ergebnisse der Nielsen Global Survey zeigen, dass die Glaubwürdigkeit weiter ausbaufähig ist, denn bisher vertraut eine breite Mehrheit von deutschen Verbrauchern (68 Prozent) nur manchmal entsprechenden Verpackungsangaben.
Ein Thema bleibt überdies die Preisgestaltung bei den Herstellermarken – dies zeigt das rasante Handelsmarken- und Discountwachstum hierzulande. Zudem würden nach Ergebnissen der Nielsen Global Survey mehr Verbraucher umweltfreundliche Produkte kaufen, wenn diese preisgünstiger wären. Im europäischen Vergleich ist die Bereitschaft der Verbraucher in Deutschland, für diese Produkte mehr Geld auszugeben, relativ gering ausgeprägt.
*Erhobene Bioprodukte in den Warenklassen: Weiße Linie, Trockenfertigprodukte, Babynahrung, alkoholfreie Getränke, Gelbe Linie SB/Theke, Heißgetränke, Süßwaren, Tiefkühlkost, Fette/Öle, Nassfertigprodukte, Brotaufstriche, Wein/Sekt, Spirituosen, Bier, Feinkost, Gesundheits- und Fitnessprodukte, Brot und Backwaren, Wurst und Schinken.